- “Ich kriege nie genug vom Leben!”
Er gehört zu den Schauspielern, die nicht laut um Aufmerksamkeit kämpfen müssen – weil seine Präsenz so stark ist. Seit Jahrzehnten prägt er die deutsche TV-Landschaft mit Rollen, die Haltung, Tiefe und Charakter zeigen. Ob auf der Theaterbühne oder vor der Kamera: Seine Figuren tragen immer auch etwas sehr Menschliches in sich – Ecken, Brüche, Wärme und Würde.



Besonders mit seiner Rolle als Richard Steinkamp bei „Alles was zählt“ hat er sich tief in die Herzen von Millionen täglicher Zuschauer gespielt. Umso emotionaler fallen derzeit die Reaktionen auf seinen Ausstieg aus. Fans diskutieren, protestieren – manche sprechen sogar von Boykott. Ein Zeichen dafür, wie sehr Figuren manchmal Teil des eigenen Alltags und Lebensgefühls sind.
Susanne Carina Autzen spricht exklusiv mit Silvan-Pierre Leirich über Wandel, Öffentlichkeit, Loyalität, Schauspielkunst – und darüber, was im Leben wirklich bleibt.
SCA: Du stehst seit vielen Jahren vor der Kamera – gibt es heute einen anderen Blick auf Erfolg als noch zu Beginn deiner Karriere?
SPL: Da stellt sich die Frage, was ist eigentlich Erfolg? Beruflicher Erfolg ist schön, aber macht er glücklich? Für mich bedeutet Erfolg den Tag gut zu verbringen, aus jedem Moment das Beste zu schöpfen, stets aufs Neue inneren Frieden zu finden.
SCA: Da hast du vollkommen Recht. Das wichtigste überhaupt. Das übersehen viele. Schauspiel bedeutet – in andere Leben einzutauchen. Gibt es Rollen, die auch dein eigenes Leben nachhaltig verändert haben?
SPL: Ganz sicher die des Richard Steinkamp. Ich habe oft darüber reflektiert, wie ich mich in Situationen verhalten hätte, in die Richard sozusagen hineingeschlittert ist. Es klingt absurd, aber ich hatte zuweilen auch Mitleid mit Richard. Eine gewisse Skrupellosigkeit, die er hin und wieder an den Tag gelegt hat hat ihren Preis und ist mir fremd. Das schärft interessanterweise den Blick auf das eigene private Leben und motiviert zu einer positiven moralisch-ethischen Haltung.
SCA: Kann ich nach empfinden… Viele Menschen erleben Schauspieler nur durch ihre Figuren. Wie schwer oder leicht fällt es Dir, sich von Rollen emotional wieder zu lösen?
SPL: Auch, wenn ich viel über Richard nachgedacht habe, nach Drehschluss habe ich die Rolle ganz bewusst im Studio gelassen, so wie das Kostüm in der Garderobe.
SCA: Was ja letztendlich einen Job auch ausmacht…
In einer sehr schnellen, digitalen Welt wirkst du angenehm entschleunigt. Was bedeutet für dich persönlich echte Ruhe?



SPL: Ich meditiere regelmäßig, schreibe viel, und verbringe gerne verschmuste Zeit mit unseren Katzen und meiner Freundin. Außerdem bin ich ein großer Anhänger ästhetischer Kontemplation – ich kann stundenlang auf einen Baum schauen, wie sich seine Blätter im Wind wiegen. Deshalb gelte ich bei einigen Menschen auch schon mal als Sonderling.
SCA: (lacht) Was dich noch sympathischer macht. Dadurch wirkst du sehr authentisch. Fast schon in dir ruhend. War dies ein Prozess? Oder eine plötzlich bewusste Entscheidung?
SPL: (lacht) Das war ein sich mit der Zeit entwickelnder Prozess. Ich halte Authentizität für einen der wichtigsten Faktoren im Leben. Ich habe ein sehr wildes und aufregendes Leben hinter mir. Habe gerne dem Nimbus des Rock‘n Roll entsprochen. Heute lege ich Wert auf die sogenannten kleinen Dinge im Leben. Mich zu meinem wahren Selbst zu bekennen birgt eine ungemeine Lebensqualität. Ich bringe meiner Freundin jeden Morgen ihren Kaffee ans Bett und dann beginnt unser erstes meistens sehr tiefgründiges Gespräch.
SCA: Oh, die Glückliche! Was fasziniert dich bis heute am Schauspiel – trotz all der Jahre, Erfahrungen und Veränderungen der Branche?
SPL: Schauspielerei funktioniert im Grunde genommen wie das wahre Leben – Du kreierst Deine eigene Realität. Der Umgang mit ECHTEN Emotionen ist enorm faszinierend. Die Königsklasse ist nicht mehr zu spielen, sondern zu sein. Schauspielerei ist für mich die Kunst der Wahrheit und nicht der Lüge.
SCA: Welch ein schöner Satz… Wenn du auf dein bisheriges Leben zurückblickst: Welche Begegnung oder welcher Moment hat dich menschlich besonders geprägt?
SPL: Die Erkenntnis, dass es wahre Liebe wirklich gibt, ausgelöst durch meine Freundin. Mit meiner Ex-Frau hatte ich eine offene Beziehung. Alles Bullshit! Als ich mich in meine jetzige Freundin verliebt habe, hat sich mein Leben komplett verändert. Ich habe aufgehört zu trinken und erfahren dass wahre Liebe keine Erfindung der Literatur ist. Bei uns spielen Treue, heilende Zuwendung und gegenseitiges, absolutes Vertrauen eine große Rolle. Das prägt mich jeden Tag aufs Neue.
SCA: Wahre Liebe gibt es wirklich. Damit machst du vielen da draußen Hoffnung. Apropos Hoffnung… Dein Ausstieg bei „Alles was zählt“ sorgt derzeit für außergewöhnlich emotionale Reaktionen. Hast du geahnt, dass die Zuschauer so entrüstet reagieren würden – bis hin zu Boykottaufrufen? Und was sagt das vielleicht auch über die besondere Verbindung zwischen Publikum und einer Figur wie „dem Papa“ aus?
SPL: Es rührt mich, wie sehr mich die Leute mögen. Die vielen Kommentare beispielsweise auf Instagram sind oft so liebevoll, dass mir das Herz aufgeht. Vielleicht schimmert auch durch die Rolle hindurch, dass ich privat ein sehr friedvoller und mitfühlender Mensch bin – das meine ich ganz uneitel – und ich glaube, diese Charaktereigenschaften geben den Menschen die Möglichkeit ihre eigene innere Verbindung zu mir aufzunehmen. Auch in den sozialen Medien nennen mich viele „Der Papa“…süß.
SCA: Ja, das ist wirklich süß und ein enormes Kompliment. Was sind deine Pläne jetzt mit so viel freier Zeit?
SPL: Ich bin dabei eigene Projekte zu realisieren. Ich habe nicht nur ein Drehbuch geschrieben, sondern auch gerade ein Kinderbuch fertiggestellt, für das ich jetzt einen Verlag suche. Ich meditiere, treibe Sport und liebe die Hausarbeit.
SCA: Na, da haben wir ja schon Themen für ein weiteres Treffen! (lacht)
Und zu guter Letzt … was ist feine Lebensart für dich?
SPL: Sehr gerne! (lacht)
Feine Lebensart…
Positive Kommunikation!! Wie jetzt hier mit uns!
Selbst ein mitfühlender und guter Mensch zu sein. Ein bewusstes Leben zu führen. Spielerische Leichtigkeit ohne Kompetition. Und natürlich gutes gesundes Essen…
SCA: Lieber Silvan… ich danke dir für deine Zeit und Offenheit!



